Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat im Mai 2026 eine positive Empfehlung für den Wirkstoff Camizestrant ausgesprochen. Vorgesehen ist er für Menschen mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs. „Fortgeschritten“ bedeutet, dass sich der Tumor in umliegendes Gewebe ausgedehnt hat. „Metastasiert“ heißt, dass sich Tochtergeschwülste in anderen Organen gebildet haben.
Das Medikament richtet sich an Patientinnen mit sogenanntem ER-positivem, HER2-negativem Brustkrebs. „ER-positiv“ bedeutet, dass die Krebszellen auf das Hormon Östrogen reagieren und dadurch wachsen können. „HER2-negativ“ beschreibt, dass ein bestimmtes Eiweiß (Protein), das das Tumorwachstum fördern kann, nicht vermehrt vorhanden ist.
Eine wichtige Rolle spielt auch das sogenannte ESR1-Gen. Gene sind Abschnitte unserer Erbinformation, die Baupläne für Eiweiße enthalten. Das ESR1-Gen liefert die Anleitung für den Östrogenrezeptor – eine Art Andockstelle für das Hormon Östrogen an der Zelle. Veränderungen in diesem Gen (Mutationen) können dazu führen, dass bisherige Hormontherapien weniger gut wirken.
Camizestrant gehört zu einer neuen Form der antihormonellen Therapie. Es blockiert den Östrogenrezeptor und sorgt gleichzeitig dafür, dass dieser abgebaut wird. Dadurch fehlen den Krebszellen wichtige Wachstumssignale. Die Behandlung erfolgt als Tablette und wird mit sogenannten CDK4/6-Hemmern kombiniert. Diese Medikamente verlangsamen die Zellteilung, also den Prozess, bei dem sich Krebszellen vermehren.
Studien zeigen Vorteile des neuen Wirkstoffs
Studien zeigen, dass Camizestrant das Fortschreiten der Erkrankung hinauszögern kann. Fachleute sprechen vom „progressionsfreien Überleben“. Gemeint ist die Zeitspanne, in der die Erkrankung stabil bleibt und nicht weiter wächst. Besonders wichtig ist der Einsatz, wenn während der ersten Behandlung eine ESR1-Mutation festgestellt wird.
Mögliche Nebenwirkungen
Wie bei vielen Krebstherapien können Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören unter anderem Infektionen (zum Beispiel durch ein geschwächtes Immunsystem), Blutarmut (zu wenige rote Blutkörperchen), Müdigkeit, Übelkeit, Durchfall oder Veränderungen des Sehens. Auch ein verlangsamter Herzschlag kann vorkommen. Daher sollte die Therapie immer durch erfahrene Fachärztinnen und Fachärzte begleitet werden.
Die endgültige Zulassung durch die Europäische Kommission steht noch aus. In der Regel dauert es nach einer Empfehlung der EMA mehrere Wochen, bis ein Medikament offiziell zugelassen ist. Bis es anschließend in Deutschland verfügbar ist, können weitere Schritte wie Preisverhandlungen und organisatorische Vorbereitungen folgen. Hier ist mit zirka zwei Monaten zu rechnen.
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